Der Türaufhalter und Karla Sorge

Kurzgeschichte von Barbara Maria Piel

Tür mit VerzierungenTüraufhalter: „Guten Tag.“

Karla Sorge: „Guten Tag.“

Türaufhalter: „Schön, dass Sie hergefunden haben. Was kann ich denn für Sie tun?“

Karla Sorge: „Naja. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es in meinem Leben nicht so richtig weitergeht. Und da sind sie mir empfohlen worden.“

Türaufhalter: „Ah, ja, Sie wünschen sich Veränderung? Da sind Sie bei mir ganz richtig. Ich kann Ihnen die Tür öffnen und aufhalten.“

Karla Sorge: „Und das soll mir helfen?“

Türaufhalter: „Das alleine natürlich nicht. Durch die Tür gehen müssen Sie dann schon alleine.“

Karla Sorge: „So. Durch die Tür gehen.  Was ist denn dahinter?“

Türaufhalter: „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, weil ich es nicht weiß. Es ist ja Ihre Tür und nicht meine. Ich kann sie Ihnen nur aufhalten.“

Karla Sorge: „Hmmm. Naja, gut. Wir können es ja mal ausprobieren.“

Türaufhalter: „Gut. – Oh, ja, diese Tür aus massivem Eichenholz. Schauen Sie mal.“

Karla Sorge: „Aus Eichenholz. Das ist ja eigentlich nicht so mein Ding. Ich mag lieber Kiefernholz. Das ist leichter. Könnten Sie mir nicht eine andere Tür aufhalten?“

Türaufhalter: „Nein, nein. Das ist nicht möglich. Diese Tür aus dem Eichenholz ist Ihre persönliche Tür, weshalb auch immer das so ist. Die anderen Türen gehören anderen Menschen. Wollen Sie nicht mal schauen was hinter dieser Tür ist? Ich finde sie übrigens sehr schön!“

Karla Sorge: „Hach, ich weiß ja nicht! – Na gut, lassen Sie mich mal durch einen Spalt schauen.“

Türaufhalter: „Da, schauen Sie …“

Karla Sorge: „Hmmm. Irgendwie sieht das nicht so einladend aus.“

Türaufhalter: „Ich finde schon.  Aber ich weiß ja nicht was Sie so erwartet haben.“

Karla Sorge: „Oh, ja, eigentlich etwas ganz Leichtes. Ja, ein Gefühl von Leichtigkeit, wundervolle Musik und lichte Farben. So etwas, wissen Sie?“

Türaufhalter: „Ach so, ja. Aber es ist nun mal diese Tür, die Ihnen persönlich zu Ihrem nächsten Schritt in Ihrer Evolution verhilft. Es steht Ihnen natürlich frei hindurchzugehen oder dort zu bleiben wo Sie sich gerade befinden.“

Karla Sorge: „Ich will ja weiterkommen. Aber wenn ich nur wüsste, was genau da auf mich zukommt, dann könnte ich mich entscheiden. Wenn es mir dann schlechter geht als jetzt, werde ich es hinterher bereuen.“

Türaufhalter: „Da kann ich Ihnen nur einen Rat geben: Bewerten Sie Ihre Erfahrungen nicht! Weiter kommen Sie nur, wenn Sie durch Ihre persönliche Tür hindurchgehen. Erweitern Sie Ihren Horizont!“

Karla Sorge: „Will ich ja, will ich ja! Aber kann ich nicht doch eine andere Tür nehmen?“

So geht es noch eine ganze Weile hin und her, bis sich Karla Sorge schweren Herzens endlich doch entschließt durch Ihre Tür zu gehen und damit einen großen Entwicklungsschritt wagt, bis sie irgendwann an die nächste Tür kommt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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